Was können Sie tun, bevor Sie einen Mediator hinzuziehen? Meine Kollegin Katrin hat für Sie einige Tipps zusammengestellt. Erste Hilfe in Konflikten:
Für den konstruktiven Umgang mit Konflikten ist von entscheidender Bedeutung, wann und wie über Konflikte geredet wird. Nehmen wir einmal an, in der Zusammenarbeit mit einem Kollegen treten Unstimmigkeiten auf.
Sobald diese Unstimmigkeiten Sie stören, suchen Sie einen Weg, dies frühzeitig anzusprechen. Warten Sie nicht so lange, bis Sie sich dermaßen ärgern und alle positiven Gefühle für Ihr Gegenüber verschwunden sind.
Fragen Sie Ihren Kollegen, wann ausreichend Zeit und innerer Raum für ein klärendes Gespräch zum Thema vorhanden ist. Tür-und-Angel-Gespräche eignen sich nicht. Störungen durch Dritte sollten möglichst unterbleiben, um sicherzustellen, dass ein konzentriertes Gespräch zustande kommt. Beide Beteiligte brauchen die Möglichkeit, sich auf das Klärungsgespräch einzustellen und eventuell thematisch vorzubereiten.
Teilen Sie Ihrem Gesprächspartner mit, worum es geht und welche Verhaltensweisen welche Wirkungen auf Sie persönlich hat. Gegebenenfalls können Sie einen Vorschlag für zukünftige Verfahrensweisen machen. Dies geschieht am besten nach den Regeln für konstruktives Feedback.
Vermeiden Sie auf jeden Fall Vorwürfe („Sie sind Schuld …“), Diagnosen („Sie haben folgendes Problem …“), Interpretationen („Dies tun Sie, um jenes zu erreichen …“), Moralpredigten und Verallgemeinerungen („So was macht man nicht …“).
Drücken Sie deutlich aus, dass Sie keine weitere Verschlimmerung oder Eskalation wünschen, sondern an einer Lösung interessiert sind, die beiden und der Sache nützt.
Fragen Sie Ihren Gesprächspartner nach seiner Sichtweise und hören Sie aufmerksam zu (denn ein gutes Gespräch wird zuallererst mit den Ohren geführt). Versuchen Sie sich in den anderen hineinzuversetzen und dessen Hintergründe wirklich zu verstehen.
Wenn Sie zusammen in ein echtes Gespräch gekommen sind, in dem Sie beide sich verstanden fühlen, werden Sie dies in erster Linie an der Atmosphäre bemerken: Sie wird zunehmend offen sein, fair und konstruktiv.
Oftmals reicht es, die Unterschiedlichkeiten zu benennen und zu verstehen. Sie haben quasi Ihre gegenseitigen Bedienungsanleitungen ausgetauscht und wissen jetzt, was der andere braucht und wie er die Dinge sieht.
Vielfach jedoch benötigen Sie konkrete Vereinbarungen für zukünftige Situationen. Bedenken Sie hier, als tragfähige Vereinbarung über den Tag hinaus kommen nur Lösungen in Betracht, die die Interessen beider einbeziehen.
Sollte ein Klärungsgespräch nicht mehr möglich oder ohne Ergebnis verlaufen sein, weil
Sie nicht in Kontakt gekommen sind, und Sie aneinander vorbei reden
es Ihnen nicht gelingt, Fairness sicherzustellen
die Art der Konfliktaustragung unverhältnismäßig ist
kann es für Sie hilfreich sein, einen neutralen Dritten hinzuziehen, der von beiden akzeptiert wird. Ein Mediationsverfahren kann Ihnen helfen, doch noch eine gemeinsame Lösung zu finden oder zumindest den Schaden zu begrenzen: